Dienstag, 10. November 2015

Elternlust und -frust oder Musik macht froh?

Viel los, wie immer und überall ... 2 Lampionumzüge in einer Woche (Natürlich wollen weder Schulkinder noch Kindergartenkind auf "ihren" verzichten. Aber ha, wenigstens sind die genähten Laternen immer noch gut und werden auch gern ein drittes Mal ausgeführt. :-) ), Versicherungsbesuch (Muss auch sein ...), und dann war da, es fängt gleich toll an, diese Woche schon dieser eine Termin, der mich richtig sauer gemacht hat ... Aber halt, dazu später. Erst noch was Schöneres. Eine minikleine Näharbeit:


Was das für ein seltsames Ensemble ist? Also, man muss sich das Kind eigentlich kriechend vorstellen, dann erkennt man ihn vielleicht - den Regenwurm. :-) Im Kindergarten wurde ein Wurmkostüm gewünscht, um "Regenwurm Ringelrangel" stilecht spielen zu können. Es sollte ganz schnell und einfach über die Alltagskleidung zu ziehen sein, verschiedenen Kindern passen, noch etwas Bewegungsfreiheit bieten und natürlich, ganz wichtig, geringelt sein. Zum Glück hatte ich noch reichlich bunte Ringelvorräte vom Sterntalerverkauf anno dazumal. Daraus wurde ganz fix ein Schlauchgewand und eine Regenwurmkappe (Minutenmütze von Klimperklein). Unser Käferkind durfte, als Überbringer des Kostüms, ganz gegen seine sonstige Natur ;-) an diesem Tag gleich Ringelrangel sein und war ein stolzes, glückliches Regenwürmchen.

Was mich so geärgert hat, dass ich hier meinen Frust loswerden muss? Also, von Anfang an:
Es gibt da eine sehr bekannte Musikschule mit lustigem Namen, die mit ihren grenzwertigen Werbepraktiken leider vor allem einwandfrei für Trauer beim Kind sorgen kann. (Mir waren die schon immer irgendwie suspekt, nur so ein Gefühl. Jetzt ist es begründet.) In der Schule bei Kind 2 fand eine Vorstellungsveranstaltung dieses Vereins statt, im Unterricht, ohne vorheriges Wissen der Eltern. Es ging da wohl sehr fröhlich zu, Kind kam jedenfalls begeistert mit einem "Umfragezettel" und einem Prospekt nach Hause und wünschte, unbedingt an dem Musikkurs teilzunehmen. Die Klassenkameraden wollten schließlich auch alle mitmachen. Gehalt des Infomaterials: Ich sag's mal so: Hätten sie "Blablubb" draufgeschrieben, hätte ich ungefähr genauso viel Nützliches erfahren. Jedenfalls werben sie ganz groß damit, dass sie jedem Kind einfach und günstig Zugang zur Welt der Musik ermöglichen wollen. Na wunderbar, das wollen wir ja auch für unser Kind. OK, auch wenn ich die nicht mag ... wenn es bezahlbar ist und mit den Schulfreunden zusammen besonderen Spaß macht ... Wir können uns ja mal informieren. Wenn man die Umfrage ausfüllen würde, könnte man Weiteres erfahren. Ankreuzmöglichkeiten (in etwa): "Wir finden das ganz toll und sind sehr interessiert an Teilnahme.", "Nein, mein Kind möchte nicht.", "Wir wünschen weitere Informationen.". Möglichkeit 2 fällt aus, die kann wohl kein Elternteil angesichts der kindlichen Begeisterung nach der Schulveranstaltung guten Gewissens ankreuzen. Die beiden anderen Möglichkeiten zeitigen das gleiche Ergebnis: Man wird von einem Vertreter der Musikschule angerufen. Aber falls man denkt, man würde endlich die wesentlichen Infos für weitere Entscheidungen bekommen - weit gefehlt. Dazu ist ein Hausbesuch des Vertreters nötig. OK, auch das lassen wir über uns ergehen, fürs Kind. Dieses wird natürlich immer heißer auf den Kurs und da die Eltern sich so drum kümmern und der Mann von der Musikschule sogar kommt, hält es die Sache für so gut wie beschlossen.
Der Vertreter versucht, sich gleich wieder zuerst an das Kind zu wenden, was ich wohlweislich und mit mittlerweile mehr als großer Skepsis damit abbiege, dass ich seinen Blick auf mich lenke und ihm knallhart die wesentlichen Fragen entgegenschleudere. Was soll es kosten und was bekomme ich dafür? Er malt eine Tabelle auf, auf der einen Seite eine lange Liste Pseudovorteile. Was nützt uns tolles bunt gedrucktes Material auf dickem Papier im Musikschulordner, wenn es den Preis in die Höhe treibt? Mit schwarz-weißen Noten ohne Bilder könnte man günstiger und genauso gut musizieren. Gruppenunterricht - macht den Kindern mehr Spaß als einzeln, das glaube ich sogar. Aber bis zu 12? Und dann sollte der Preis schon entsprechend niedrig sein ... Der einzige wirkliche Vorteil wäre für mich die Logistik. Der Unterricht fände an der Schule statt, während der Hortzeit. Nun ja, dann kommt die dicke Zahl auf der anderen Seite: 49 Euro monatlich! Dazu muss das Instrument gekauft werden, 54 €, angeblich nirgendwo anders so billig zu haben. Wie bitte? Und das ist günstig und für jeden machbar? Ich kenne kaum eine Familie mit mehreren Kindern, die mal eben locker 50 € übrig hat. Für ein Kind. Wenn man bedenkt, dass man das monatlich für ein Jahr zahlen soll, Ferien und Feiertage aber immer frei sind (also mindestens 12 Wochen), kommt man auf einen Stundenpreis von knapp 15 €. Und das bei so großen Gruppen. Für Unterricht auf der Melodika. (Meine jüngeren Geschwister haben das damals gemacht, ich weiß, was da zu erwarten ist.) Das mag ja ein tolles Einsteigerkonzept sein, vor allem auch für bislang "unmusikalische" Familien, dagegen will ich nichts sagen, aber für jeden machbar? Und der angeblich günstige Preis des speziellen Musikschulinstruments - eine glatte Lüge. Ich habe recherchiert und ähnliche Instumente in verschiedenen noch darunter liegenden Preisklassen gefunden. Schließlich muss eine Melodika nicht das Musikinstrument fürs Leben sein.
Außerdem hatten wir, da das große Tochterkind schon länger gern Musik machen möchte, uns schon über Angebote und Preise der anderen Musikschulen in der Nähe informiert. Überall sind die Gruppen deutlich kleiner und die Preise trotzdem weit niedriger, weiß ich genau.
Letztes Jahr waren wir sogar beim Blockflötenunterricht schnuppern. Es stellte sich aber heraus, dass die Maus noch zu schüchtern war, um sich zu trauen, sich in einer Sache zu probieren, die auch mal zu einem falschen Pieps führen könnte. Wir hatten also beschlossen abzuwarten, sie erstmal in der Schule ankommen zu lassen und dann weiterzusehen. Der Einstieg in anderen Musikschulen zum jetzigen Zeitpunkt, wo Kind sich begeistert darauf stürzen würde, ist natürlich schwierig, denn die fangen in der Regel ihre Gruppenkurse zum Schuljahresanfang an. Was die besagte bekannte Musikschule sicher auch ganz genau weiß ...
Wir tun jetzt, was wir können, um die Musikbegeisterung nicht im Sande verlaufen zu lassen und hoffen auf eine alternative Möglichkeit. Den Musikkurs an der Schule können wir uns jedenfalls nicht leisten, sonst muss der Urlaub ausfallen - für die ganze Familie.
Ich finde es absolut daneben, in Kindern solche frohen Erwartungen aufzubauen, bevor das Wesentliche geklärt ist. Man verlässt sich eiskalt darauf, dass die Eltern dem Leuchten der Kinderaugen nicht widerstehen können und sich das Geld in Erwartung bitterer Tränen lieber irgendwie aus den Rippen schneiden. Diese psychologisch sehr geschickte aber äußerst zweifelhafte Praxis ist das eigentlich Schlimme an dem Ganzen. Wer das Geld hat, mag es gern dafür ausgeben. Die Sache ist ja nicht schlecht. Aber die Entscheidung, ob es möglich ist, sollte den Eltern zunächst allein obliegen, meine ich doch.

Bei uns jedenfalls werden wohl die Tränen heute leider noch aus den geliebten blauen Kulleraugen fließen müssen. Vielen Dank, Musikschule "Einfach nur traurig"!

Kommentare:

  1. Oh man, puh. Eben habe ich noch breit gegrinst über dein Regenwurmkostüm- und nun endet dein Artikel so...

    Ja, die Kinder manipulieren, um an das Geld der Eltern zu kommen, ist bei einigen Unternehmen gängige Praxis...
    Warum schiebt die Schule dem keinen Riegel vor? Unser Kindergarten schließt grundsätzlich externe Angebote aus, die ins Haus kommen und von den Eltern selbst bezahlt werden müssten- damit kein Kind benachteiligt wird, wenn das Geld eben nicht so locker sitzt. Finde ich eine gute Idee. Unbedingt mit der Schule reden!

    Ich hoffe, ihr findet ein anderes Angebot, welches die Freude an der Musik im Kind weckt! Echt traurig, das Ganze. Aber hoffentlich keine bleibende Erinnerung, wenn sie merkt, dass aus der anfänglichen Begeisterung der Mitschüler dann bei vielen wohl doch Langeweile wird- wie du schon sagst, buntes Papier und die Melodika allein können auf Dauer kein Kind fesseln... Und den Rest gibts auch anderswo!

    Liebe Grüße!

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  2. Das ist auch von der Schule blöd, das die dafür Unterrichtszeit opfern. Als Verkaufsveranstaltung... ich kann euch das Heinrich Schütz Konservatorium empfehlen. Da hat Tim 4 Jahre mitgemacht und das war erschwinglicher.
    Sei lieb gegrüßt
    anja

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  3. Das war bei uns genau das Gleiche, nur dass ich das Telefonat abgeblockt habe, als er mir erzählt hat, dass er da unbedingt bei mir zu Hause vorbei kommen müsste! Ab dem Punkt fand ich das auch unseriös! Und das bei einer so namhaften Musikschule das ist echt erschreckend!

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  4. Schreib doch ruhig, wie die Musikschule heißt, kann doch ruhig jeder wissen:-)
    Ich wäre jedenfalls auch sauer. Hat mich an die Foto-Geschichte zur Einschulung erinnert, wo Kind plötzlich mit einem riesigen Paket Fotos (inklusive einer bedruckten Leinwand, Foto-Aufklebern usw.) ankam und sich schon gefreut hat, dass wir das alles behalten können. Haben wir aber aus Prinzip nicht gemacht und ich durfte dem traurigen Kind erklären, warum nicht.
    Übrigens kann ich mir vorstellen, dass gar nicht so viele Mitschüler beim Musizieren mitmachen. Erstens weil sicher einige Eltern so reagieren wie du. Und zweitens habe ich inzwischen gelernt, dass "Mama, alle in der Klasse..." gar nichts zu bedeuten hat. Z.B. "Mama, alle in der Klasse haben Süßigkeiten in der Brotdose, nur ich nicht." ;-)

    LG
    anne

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    1. Hihi, ja, dass "alle dürfen, nur ich nicht" nicht so ernst zu nehmen ist, ist mir schon klar. In dem Fall gings ja erstmal nur darum, dass alle gern wollten. Und das glaube ich sogar annähernd, nach der "tollen" Werbung.

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  5. Ui, nein, das ist nicht schön!
    Absolut manipuliert. Wie soll man da noch Vertrauen in ein Musikschulkonzept haben?
    Bei uns läuft das Ganze im Kindergarten an, spezielles Konzept für die Vorschüler in Zusammenarbeit mit der Städtischen Musikschule. Freiwillig zwar, aber wer will schon, dass sein Kind als Einziges nicht teilnehmen kann ;-)
    Wir zahlen extra Taxigeld fürs Abholen und zurückfahren in den Kindi.
    So kommen 45€ im Monat zusammen...Ja, alles zum Wohle des Kindes...

    Kopf hoch, liebe Doro und herzliche Grüße!

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  6. Sehr interessant. Wie heißt denn die Musikschule? Ich kenne mich leider gar nicht aus, wir hatten allerdings schon mal bei der Kleinen drüber nachgedacht. Ich hoffe das Kind hat die "schlechte" Nachricht gut verkraftet.
    LG
    Kerstin

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  7. Tja, hier ist wahrscheinlich die städtische Musikschule zu nah, denn bei uns waren die nicht. Die Sache mit den Fotos, die Anne erzählt haben wir aber auch alle Jahre wieder. Vor allem kann man dann nicht ein Bild kaufen, sondern nur Pakete. Solche Sachen finde ich auch immer sehr ärgerlich und kaufe dann schon aus Prinzip nichts.
    Musikalische Früherziehung (außerdem diverse Sportarten, Tanz ...) gab es bei uns im Kindergarten, bis der Kindergarten (oder die Stadt?) beschloss, dass es keine Fremdangebote mehr geben dürfe. Fand ich damals ein bisschen schade, da so viele Angebote, wo man das Kind nicht extra hin- und herbringen musste wegfielen. Da aus jeder Gruppe immer nur drei bis fünf zu den Angeboten gingen, war da auch nicht so ein "alle gehen dahin, nur ich nicht" und jedes Kind hatte seine AG.
    Wir waren dann mehrere Jahre am Heinrich Schütz, das kostet zwar auch nicht wenig, man zahlt aber nur die Stunden, die wirklich gehalten werden.
    Mittlerweile haben wir eine private Instrumentenlehrerin und zahlen dafür einen ähnlichen Preis, wie an der Musikschule. Für uns die beste Lösung, weils menschlich total gut harmoniert und die Lehrerin ihre Aufgabe nicht nur in der Vermittlung von Noten, sondern auch von Werten sieht.
    LG und bis hoffentlich Donnerstag,
    Malou

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  8. Ich habe es jetzt erst gelesen und muss sagen, unser Kind macht da mit. Sie sind glaub ich 6 Kinder in der Gruppe, das find ich ok.
    Die Große hatte an einer anderen Musikschule erst Flöten, dann Klarinettenunterricht, bis sie keine Lust mehr hatte und das war auch nicht billiger und ich musste immer fahren.
    Welche Musikschulen gibt es denn bei euch, die günstiger sind?
    Für uns war ausschlaggebend, dass es in der Schule stattfindet und nicht mit extra Fahrerei verbunden ist und da es preislich nicht teurer war als die Alternative haben wir es erlaubt, auch wenn mir der Vertreter auch etwas suspekt war. Aber dem Kind macht es jetzt Spaß und das ist die Hauptsache.
    Wie es nach dem einen Jahr weitergeht, wieß ich auch noch nicht, denn Harmonika soll sie dann doch nicht lernen, was ja dann an die Melodika anschließen würde.

    Liebe Grüße

    Beate

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  9. Nur ganz kurz: Wir sind beim Heinrich-Schütz-Konservatorium, Adam bekommt Einzelunterricht an der Blockflöte, ebenfalls an der Schule, 45 min. kosten 16 Euro.

    LG Regina

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