Donnerstag, 20. Februar 2014

Viele Kinder braucht das Land - aber ohne Hebammen?!

Auch ich möchte mich jetzt öffentlich zu Wort melden zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt:
Den Hebammen in unserem Land, das doch , wie immer wieder auch in der Politik betont wird, so dringend auf Nachwuchs angewiesen ist, droht bald das Aus für ihren ganzen Berufsstand. Da sie die nun mal natürlicherweise vorhanden Risiken einer Geburt allein tragen sollen, ist es ihnen bald nicht mehr möglich, sich angemessen zu versichern. Schon jetzt sind die Versicherungen so teuer, dass man eine gehörige Portion Idealismus braucht, um den Hebammenberuf noch auszuüben. Und bald soll es gar keine Versicherung mehr geben, die den nötigen Schutz bietet.
Damit ist es den Hebammen nicht mehr möglich, sich in der Geburtshilfe zu betätigen. Das bedeutet nicht nur das Ende für Geburtshäuser und Hausgeburten, sondern auch für so manche kleinere Geburtsstation, die mit Beleghebammen arbeitet. Und dann fällt leider auch für die Frauen die Unterstützung weg, die von freiberuflichen Hebammen vor und nach der Geburt betreut und ermutigt werden und sich vielleicht nur deswegen an das Abenteuer Baby (ein weiteres Mal) wagen. Das darf einfach nicht passieren! Deswegen:


Wer mit seiner Stimme etwas dazu beitragen möchte, hoffentlich noch vielen Frauen eine gute Betreuung rund um die Geburt zu sichern, unterschreibe bitte diese Petition.

Ich durfte selbst schon drei Mal erleben, wie wertvoll eine Hebamme in der Zeit rund um die Geburt sein kann. Als Nr. 1 unterwegs war, hätte ich mir eine Geburt im Geburtshaus gewünscht. Daran haben wir uns dann angesichts des finanziellen Risikos doch nicht gewagt. Denn damals waren Krankenkassen noch nicht zur Kostenübernahme bei außerklinischen Geburten verpflichtet und man ließ sich auch zu keiner Zusage vor der Geburt hinreißen. Schade, aber ich konnte mit der Entscheidung für eine ambulante Krankenhausgeburt gut leben. Geburtsvorbereitung und Nachsorge hat trotzdem eine tolle Hebamme vom Geburtshaus Striesen übernommen. Bei der Vorbereitung erfuhr ich unter anderem, dass man auch im Krankenhaus zu vorgeschlagenen Maßnahmen Nein sagen darf. Für mich unschätzbar wichtig, denn ich gehöre von Natur aus nicht zu den mutigen Neinsagern. ;-) Aber so habe ich mich getraut und einen Wehentropf, der sich im Nachhinein auch als völlig sinnlos erwiesen hätte, abgelehnt. Dafür bin ich heute noch dankbar. Wer weiß, wie die Geburt sonst gelaufen wäre ... So konnte ich, als ich meinen kleinen Sohn im Arm hielt, zur Belustigung des gesamten Personals zu meinem Mann sagen (Man bedenke auch Glückshormone und so, ganz ohne wars natürlich nicht. ;-) ): "Na, das ging ja. Das können wir wieder machen."

Knapp zwei Jahre später haben wir es dann wieder getan. Und da es beim ersten Mal doch gut gelaufen war, planten wir bei Nr. 2 dann gleich eine Hausgeburt, wieder mit "unserer" Hebamme vom Geburtshaus. Sie betreute uns von Anfang an abwechselnd mit der Frauenärztin, kam zu den Vorsorgeterminen nach Hause und bezog so auch den angehenden großen Bruder wunderbar in die Versorgung von Mama und Baby ein. Die Hebamme war wohl seine erste große Liebe, und als das Baby dann angekommen war und er es begrüßen durfte, war er kein bisschen überrascht. Da war wohl genau das gekommen, was er erwartet hatte. :-) Die Geburt gestaltete sich dieses Mal etwas langwierig. Erst schien das kleine Mädchen schon etwas zu früh raus zu wollen, später täuschte es mehrmals den Start vor, um sich dann doch noch Zeit zu lassen, und schließlich brauchte es noch eine laaaange Nacht, bis es sich ans Licht der Welt wagte. Immer war die Hebamme da, geduldig, mit gutem Rat, Ermutigung und natürlichen Mitteln gegen alle möglichen Problemchen. Baby durfte sich ganz nach seinem Tempo Stück für Stück vorwagen und zu seiner Zeit kommen. Auch wenn, ebenfalls eine Ungerechtigkeit, die Hebamme keinen Nachtzuschlag bekommt, wenn das Kind sich erst nach 8.00 Uhr nach draußen bequemt, obwohl es die ganze Nacht für seinen Weg gebraucht hat. Im Krankenhaus wäre wohl laut Hebamme schnell eine "sekundäre Wehenschwäche" diagnostiziert worden, das heißt Wehentropf ... und dann? Hätte mein Kreislauf es ausgehalten, wäre es Baby vielleicht zu schnell gegangen? Es hätte jedenfalls auch etwas anderes passieren können als die lange aber komplikationslose Geburt, die wir dank Hebamme erleben durften.


Bei Nr. 3 knapp 3 Jahre später war dann sofort klar, wo und mit wem wir das neue Familienmitglied gern begrüßen wollten. :-) Also genossen wir wieder Rundumbetreuung von Anfang an und am Ende eine ebenfalls lang dauernde, unglaublich anstrengende und trotzdem wunderbare Hausgeburt. Die treuen Leser kennen die Geschichte um den ersten Ausflug unseres Junikäferchens, alle anderen können sie bei Bedarf hier nachlesen.


Auch das macht die Hebamme: Baby muss für den ersten großen Bluttest gepiekst werden. Aber nicht schnell, schnell ins kalte Füßchen, sondern vorher liebevoll in Mamas Backschüssel angewärmt, damit es möglichst wenig schmerzhaft ist und ganz fix geht. Wie man sieht, fühlt das Kleine sich so sehr gut aufgehoben. :-)

An dieser Stelle also noch mal einen riesengroßen Dank an unsere Hebamme und all die anderen, die die Geburt von neuen Erdenbürgen liebevoll und kompetent begleiten! Hoffen wir, dass sie es noch lange können. 

(Ich möchte natürlich auch nicht ungesagt lassen, dass es viele tolle Krankenhaushebammen gibt und auch eine Geburt, die im Krankenhaus stattfindet, keine Katastrophe und oft sogar ein Segen ist! Es wäre schön, wenn einfach jede Frau die Geburt erleben dürfte, die sie braucht und möchte.)

Kommentare:

  1. Hallo Doro,
    Ich habe mich sehr über deinen langen Kommentar bei meinem Hebammen Beitrag gefreut, vielen, vielen Dank dafür. Noch viel mehr freue ich mich aber, dass du jetzt auch noch ein Hebammen-Unterstützungspost geschrieben hast. Und dann gleich so ein schöner. "Seine erste große Liebe", wie wunderbar.
    Ich hab mich in diese Unterstützungssache jetzt ja richtig rein gesteigert. Neben meinem eigenen Blogbeitrag habe ich noch ein paar A4-Poster (mit QR-Code zur Petition) gestaltet und verteilt, z.B. im Kindergarten, im Kinder Café und bei den Kinder Ärzten und den Frauen Ärzten. Ich hoffe soooo, dass wir gemeinsam etwas bewirken können.
    LG Florentine

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    1. Ach ja, meine Hebamme meinte übrigens, die Petition bringt bestimmt was, aber viel wichtiger/ erfolgreicher wäre es, wenn man einen Brief an den Abgeordneten schicken würde. Ich werfe also meinen Blogbeitrag nochmal etwas über arbeiten. Sollte ja jetzt recht schnell gehen, das Grundgerüst für den Brief steht ja schließlich schon.

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    2. Hoffentlich bringts endlich mal was. Das mit dem Brief hatten wir schon vor längerer Zeit mal gemacht. Ich glaube, kurze Zeit nachdem Emilia geboren war, als es darum ging, dass die Versicherungssummen so erhöht wurden. Meine Hebamme hatte damals schon so einen vorformulierten Brief weitergeleitet. Schlimm, dass seit damals alles nur noch schlechter geworden ist.

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  2. Ich glaube ganz fest daran, dass eine Lösung gefunden wird. Nur wann? Und wieviele Hebammen können sich das warten leisten bzw. aushalten?
    Ich wünsche es jeder Frau, sich gut betreut und beraten zu wissen.
    Und als ich deine Hebamme gesehen habe musste ich schmunzeln, sie war nicht unsere, aber aus dem Team :-)
    Liebe Grüße
    Stefanie

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  3. Einen wirklich tollen Post hast du geschrieben :-)
    Hoffen wir, dass noch eine Lösung für die Hebammen gefunden wird.
    LG Hunni&Nunni

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