Unser großer, kleiner Schulanfänger, der noch zur feierlichen Einführung so siegessicher aus der Schule heraustrat, geht leider, wie sich herausstellte, im Alltag nicht mit dem gleichen Gefühl hinein. Wenn es ans Abschiednehmen an der Tür des Klassenzimmers geht, wird ihm doch mulmig zumute und es kullerte schon das eine oder andere Tränchen. Als Mama verkneift man es sich da tapfer mitzuheulen, auch wenn einem vor lauter Mitleid mit dem Sprössling durchaus danach ist. Und man überlegt, wie man dem kleinen Kerlchen, das eigentlich gern lernen möchte, sich aber plötzlich in der neuen Umgebung ein bisschen verloren fühlt, den Start erleichtern kann.
Mir kam etwas in den Sinn, das ich auf einem Blog (das ich gerade nicht finden kann, sonst würde ich verlinken) mal gesehen und für eine nette Idee befunden hatte: der Hosentaschentröster. Dort sah er aus wie ein winziges Schnuffeltuch für Babys, einfach, aber mit ganz viel Liebe genäht. Die Idee hab ich mir geschnappt, etwas modifiziert und einen Hosentaschentröster für Raphael gebastelt:
Natürlich muss er die Lieblingsfarbe des Sohnes haben. Und statt eines einfachen Vierecks ist es ein Fischchen geworden. Eine Seite besteht aus Baumwollwebware, die trägt noch eine Mut machende Stickerei für den kleinen Mann, der ja schon lesen kann. Die andere, aus einem Restchen Nicky, fühlt sich in der Hosentasche beruhigend kuschelig an. Alles kombiniert mit ein paar Webbandschnipseln, die dem kleinen Mann richtig gut gefallen und fertig ist ein Stückchen Instant-Trost.
Mein Schulkind hat sich sehr darüber gefreut. Und erstaunlicherweise hilft der heimliche Freund in der Hosentasche richtig gut. Raphael war in den letzten Tagen deutlich zuversichtlicher beim Abschied und hat sogar seine ebenfalls nah am Wasser gebaute Banknachbarin getröstet, indem er ihr seinen Fisch gezeigt und ihr den Spruch vorgelesen hat. Wie er meinte, war sie danach nicht mehr so traurig.
Mich freut erstmal der Erfolg, auch wenn ich natürlich hoffe, dass Raphael bald so selbstbewusst und mit neuen menschlichen Freunden versorgt ist, dass er sein Fischchen getrost vergessen kann.
Wenn er am Nachmittag nach Hause kommt, war die Schule übrigens immer "schön". Schlimm ist sie nur am Morgen. ;-) Noch sind die Lerninhalte für ihn (O-Ton) "Pippifax". Wenn da nur der motorische Umgang mit dem Stift nicht wäre ... Aber irgendeine Baustelle muss man ja als Anfänger noch haben. Ich bin zuversichtlich, dass er den auch noch hinkriegt. Die Einsicht in die Notwendigkeit wird hoffentlich bald eintreten ... ;-) Und bis dahin überlege ich mir kreativere und spaßigere Übungsmöglichkeiten als das Schreiben von Buchstaben und Zahlen, das er ja langweilig findet, weil er es mental eben schon kann. Da fällt mir schon was ein.
