Nur falls der Gedanke gleich aufkommen sollte ... Weder habe ich vor, mich für den Titel "Supermom des Jahres" zu qualifizieren, noch beabsichtige ich, allen Frauen, die so ein Ding mal eben an einem Nachmittag zusammenbasteln oder gar fertig kaufen :-o, vorzuführen, was für Rabenmütter sie doch sind. ;-)

Ich nähe einfach nur seit Tagen an der wahrscheinlich aufwändigsten Zuckertüte aller Zeiten. Und bei sowas kommen oben genannte Vorwürfe gern mal. Von Angesicht zu Angesicht ist es mir noch nicht passiert. Aber in einem Forum wurden ähnliche Gedanken schon laut. Ich hab dann lieber gar nicht erwähnt, dass ich auch so eine bin, die Kinderkleidung, Faschingskostüme und Zuckertüten selber näht, außerdem für den Kindergarten bei jeder Gelegenheit Kuchen bäckt, auf Ausflüge mitfährt, im Elternrat sitzt, Verkleidungsklamotten repariert, Täschchen für die Puppenecke zaubert und dergleichen Hausfrauenverbrechen. Ist halt so: Wir Heimchen am Herd haben ja sonst nix und brauchen das, um unser Ego zu polieren. Am besten geht es uns dabei, wenn sich die berufstätigen Rabenmütter angesichts unseres Engagements so richtig mies fühlen. Oder etwa nicht?
Nö, definitiv nicht! Ich spreche hier einfach mal für mich: Wir leben die sogenannte "traditionelle Rollenverteilung". Das klingt so reaktionär. Dabei ist dieses eigentlich nur eins von vielen Modellen, die zu vielen verschiedenen Familien unterschiedlich passen. Weder modern, noch unmodern. Jetzt unsere Wahl, weil es für uns so passt - zu unserer Gesamtsituation, unseren Persönlichkeiten, unseren Vorstellungen von unserem Leben. Wie gesagt, das gilt für uns und das gilt momentan. Bei anderen ist es möglicherweise anders und auch völlig in Ordnung. Ich muss mir nicht beweisen, dass unser Lebensmodell richtig ist, indem ich jede Gelegenheit nutze, die Fehler anderer Entwürfe vorzuführen. Die Energie kann ich gut anderweitig gebrauchen, danke.
Ich engagiere mich trotzdem hier und da, einfach, weil ich es kann. Ich habe die Zeit und investiere sie in Dinge, die auch denen nützen, die sie eben nicht haben. Alle Kindergartenkinder spielen gern mit der neuen Tasche in der Puppenecke, sind froh, wenn ein Ausflug nicht wegen Personalmangels ausfallen muss und freuen sich über einen leckeren Kuchen. Eine perfekte Möglichkeit für die vielbeschäftigten berufstätigen Mütter, sich diesbezüglich mal entspannt zurückzulehnen. Eine Baustelle, die nicht die ihre ist. Das ist doch wunderbar, oder?
Ich kann mir vorstellen, dass es Mütter gibt, die sich auf unangenehme Weise engagiert geben. Muss wohl so sein, das komische Bild der "Übermutter" kommt sicher nicht von ungefähr. Das ist aber ein persönliches Problem und ganz bestimmt nicht die Einstellung der gesamten Hausfrauenfraktion. Dafür kann ich zumindest garantieren. Das gehässige "Na, DIE haben's wohl nötig ... ICH hab ja für sowas keine Zeit ..." trifft also zumindest in einigen Fällen nicht die Richtigen. Schön wäre es doch, die ganze Müttergesellschaft könnte sich als Team begreifen. Ihr kennt ja die berühmte Definition: TEAM - Toll, Ein Anderer Macht's!
Wie bin ich jetzt darauf gekommen? Ach ja, die Zuckertüte. Was die betrifft, handelt es sich natürlich eher um persönliches als gemeinnütziges Engagement. Auf dieses Projekt treffen allerdings die gleichen Beweggründe NICHT zu, wie auf oben genannte Aktivitäten. Warum ich das Ding nähe? Weil ich mein Kind erfreuen will und weil es mir Spaß macht. Natürlich wäre das Kind auch mit einer schlichteren Variante glücklich zu machen. Aber dann ist da noch der Fluch des Perfektionismus. Da wird ein Motivwunsch geäußert, zum Ranzen soll es passen, es formt sich eine bestimmte Vorstellung in meinem Kopf, die entwickelt sich beim Stoffkauf weiter, bei der Umsetzung laufen die Ideen Amok und dann hat man's: Dann MUSS man einfach doppelt genähte Applikationen von Hand anbringen, viele kleine Röschen häkeln und noch dieses Detail und jenes ...
(Gegen die Verleihung des Titels "Supermom" spricht, dass in dieser näharbeitsreichen Zeit der Haushalt ganz schön ins Hintertreffen gerät ... Supermom schafft natürlich beides. Mit links.)
Am Ende haben wir eben jedenfalls die beste Zuckertüte der Welt, so. :-p
Und JA, es würde mich freuen, wenn jemand sie bewundern sollte. Das gebe ich offen zu. (Wobei ich bezweifle, dass außer unserem Kind jemand sie überhaupt zur Kenntnis nimmt. Erfahrungsgemäß sind bei der Einschulungsfeier nämlich alle mit ihren eigenen Kindern und Zuckertüten beschäftigt.) Wieso auch nicht? Ich freue mich, wenn mein Tochterkind beim Überreichen der Zuckertüte strahlt. Es tut mir ebenfalls gut, wenn der Kuchen im Kindergarten schmeckt oder die Kinder sich bedanken, dass ich ihren Ausflug begleitet habe. Ich brauch das für mein Ego, ich hab ja sonst nix, wie Bezahlung zum Beispiel ... :-) Oder ginge irgendwer gern arbeiten, wenn kein Lohn gezahlt würde und auch Spitzenleistungen jederzeit gleichmütig als Selbstverständlichkeiten hingenommen würden? Braucht und genießt nicht jeder ein bisschen Anerkennung für das, was er tut? Finde ich ganz legitim.
Ich bewundere zum Beispiel alle, die Beruf, Haushalt und Familie schaffen, auch wenn sie ihre Zuckertüten kaufen. :-)