Sagte ich im letzten Post, ich würde demnächst nähen, vielleicht sogar ganz viel? Tja, das war, bevor ich im Garten kiloweise Bohnen geerntet habe. Und wenn das Kleine schon mal Einzelkindstatus genießen darf, will es natürlich was davon haben. Mama lässt sich ja auch all zu gern zum ausgiebigen Kuscheln, Bücher gucken, Singen und Tanzen, auf dem Teppich toben ... verführen. ;-) Und dann ist die fast kinderfreie Zeit auch schon wieder vorbei. Einerseits schön, die beiden "großen" Schätze wieder zu haben, andererseits ... (Ich glaube, jede Mama weiß, was ich meine. ;-) ).
Und dann kommt ganz viel Wäsche, und dann erwischt uns ein Virus und verursacht noch mehr Wäsche, und dann ... Genäht habe ich jedenfalls seit dem letzten Post nicht.
Aber ich will mich trotzdem mal wieder melden. Ich hab sogar noch ein paar Bilder, die ich sowieso schon seit fast zwei Wochen gern zeigen wollte. Was von draußen dieses Mal.
Eine Familienfeier lockte uns mal wieder in meine alte Heimat, die Oberlausitz. Nach der Partynacht, die so lang nicht ausfiel mit den Kindern ;-), hatten wir sogar noch Energie für einen Sonntagsspaziergang an einem dieser perfekten Frühherbsttage, an denen die Sonne noch sommerlich warm scheint, aber schon mit diesem ganz speziellen klaren Herbstlicht.
Es geht durch den Wald. Kühlender Schatten und blitzendes Sonnenlicht, das uns immer wieder durchs Blätterdach zuzwinkert.
Aber auch am Boden gibts Interessantes zu entdecken. Dieses Foto wurde von Raphael gefordert. Wenn es um starke Maschinen geht, ist er begeistert, ob nun live oder nur in Form von Spuren im Schlamm.
Waltzing Mathilda ... :-)
Dann lassen wir den Wald hinter uns und können die Aussicht genießen. Irgendwo da unten schlummert die Kindheit. Nein, eigentlich nicht nur da. Überall hier. Macht irgendwie ein bisschen wehmütig. Meine Güte, sooo alt bin ich doch noch gar nicht. Und alles hat seine Zeit ... ;-)
Die sind das Ziel, vor allem für die Kinder. Die Faszination ist seit meiner Kindheit ungebrochen. Als die ersten 3 Windräder gebaut wurden, konnten wir die Fortschritte aus der Ferne vom heimischen Fenster aus verfolgen. Gut, ich war Teenie und betrachtete das Ganze mit eher distanziertem Interesse. Aber mein jüngster Bruder, damals 3 oder 4 Jahre alt, kannte kein anderes Thema mehr. Und seine ersten erkennbaren Malereien zeigten ausnahmslos orangefarbene Sonnenuntergänge, vor denen sich schwarz die Silhouetten der Windräder abzeichneten. Lang ists her ... Heute fotografiert er sie nur noch. :-)
Ach übrigens - guckt doch mal, wer da läuft! Auf unebenem Grund brauchts noch den Halt von Opas starker Hand. Drinnen wagen die kleinen Beinchen auch schon ein paar selbständige Schrittchen. (Inzwischen, keine zwei Wochen später, ist Emilia meistens auf zwei Beinen unterwegs, auch ganz ohne Hilfe.)
Kleines Päuschen vor riesiger Kulisse.
Faszination Technik.
So spannend die technischen Meisterwerke auch sind, mich haut eher die Aussicht um - immer wieder.
Aber nicht nur die großen Dinge sind bemerkenswert. Auch die vergleichsweise winzige Welt am Boden erzählt ihre eigenen Geschichten. Da ignoriert eine tapfere kleine Maiblume hartnäckig den nahenden Herbst und zeigt ihm ihre sehr zart ausgefallene Sonnenblüte, während sich schon die ersten Eicheln ein Winterbett im Gras suchen und davon träumen, sich vielleicht eines Tages als Bäumchen wieder der Sonne entgegenzustrecken.
Himmelweit ...
Müde Beinchen auf dem Weg nach Hause (zur Oma, die für den Inhaber der langen Beine sicher auch Kaffee hat ;-) ).
Letzter Blick ins Tal.
Ein guter Platz zum Ausruhen.
Hach, immer wenn ich wieder da bin, klopft das Herz des Dorfkindes in mir ganz laut und will hierher zurück - wo man nur ein paar Schritte machen muss und im Wald ist, wo es Felder gibt und Wiesen, über die man rennen kann, einfach so, wo die Luft so ganz anders ist als in der Stadt und ganz viele schöne Plätze einfach niemandem gehören oder allen (so fühlt es sich jedenfalls an). Genau das wünsche ich mir jedenfalls für meine Kinder. Ich sehe doch, wie sie es genießen, diese ganz andere Welt zu entdecken. Platz wäre da für uns. Das Problem ist nur, dass man dort fast nicht mehr leben kann, gerade mit Kindern. Es gibt da einfach nichts mehr, was man braucht, um den Familienalltag einigermaßen stressfrei zu organisieren. Zur Arbeit wäre es weit, die Verkehrssituation ist so, dass die Fahrt lang dauern würde. Alles Zeit, die der Familie dann fehlt. Und eine ordentliche Internetanbindung, die das Arbeiten von Zuhause ermöglichen würde, heute geht ja vieles - leider Fehlanzeige. Schon die Mittelschule in der benachbarten Kleinstadt ist wegen 3 Schülern zu wenig geschlossen worden und wird aus zivilem Ungehorsam von den betroffenen Schülern, deren Eltern und 2 engagierten Lehrern am Leben erhalten. Die ganze Gegend stirbt buchstäblich aus. Und das macht mich traurig.
Mensch, dabei ist es da so schön! Genau da sollten ganz viele Kinder leben! Da läuft doch irgendwas schief. Irgendetwas müsste doch da zu machen sein. Warum nimmt man das so einfach hin? Was könnte man tun?
Manchmal fragt man sich schon, auf was für einer verkehrten Welt wir leben ...